Advent Calendar: Door/Türchen #8

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Mina

Einige Wochen waren vergangen und Yagai hatte Mina viel über Kräuter- und Heilkunde beigebracht. Sie wusste jetzt welche Kräuter sie für simple Heiltränke oder Salben verwenden musste und was noch besser wirkte bei einfachen Erkältungen, als das, was sie von zu Hause kannte. Mina war oft mit der Alten in den Wald gegangen und nachdem Yagai ihr die Pflanzen gezeigt hatte, musste Mina sie ohne Hilfe erkennen. Auch ein paar Hausbesuche hatte sie, wie versprochen mitgemacht. Ein kleiner Junge mit gebrochenem Bein wurde ebenso von Yagai behandelt, wie eine alte Frau mit schwerem Lungenleiden. Einmal wurden sie zu einem schwer verwundeten Mann gerufen, dem Yagai nur helfen konnte, indem sie seine Schmerzen linderte und ihm dadurch half ruhig zu entschlafen.

Es war der erste Tod den Mina bewusst mitterlebt hatte und ihre Tränen waren fast so schlimm geflossen, wie die der Familie. Yagai hatte sie alle mit Worten und Berührungen beruhigt und Mina schließlich aus dem Raum geschoben, damit die Familie Abschied nehmen konnte.
„Warum konntest du ihm nicht helfen?“, fragte Mina mit tränenerstickter Stimme.
„Ich habe ihm geholfen. Durch das Schmerzmittel hatte er es einfacher zu gehen und musste dabei nicht leiden“, erklärte Yagai ruhig.
„Aber seine Familie! Für sie wäre es doch besser gewesen, wenn er gekämpft hätte!“, protestierte Mina.
„Nein. Es wäre schmerzhafter gewesen. Je länger das unausweichliche hinausgezögert wird, umso schmerzhafter und belastender ist es für alle Beteiligten. Der Geist des Mannes mag noch Kampf- und vor allem Lebensbereit gewesen sein, aber sein Körper war es nicht. Das musst du verstehen“, erklärte sie.
„Das will ich aber nicht!“, jammerte Mina wie das kleine Kind, dass sie schon lange nicht mehr war und begann erneut heftig zu schluchzen.
Yagai seufzte. Es hatte momentan keinen Sinn weiter auf sei einzureden. Die Trauer in dem Waldling-Mädchen war zu groß, auch wenn sie den Mann nicht gekannte hatte.
Leise verließ Yagai den Raum um nach den Angehörigen zu sehen. Sie nahmen es wesentlich gefasster als der junge Waldling. Sie gab ihnen und Mina noch etwas Zeit, bevor sie sich verabschiedete und mit Mina zu ihrer Hütte zurückkehrte. Es war ein ruhiger Rückweg, nur unterbrochen durch gelegentliches Schluchzen.

In der Hütte angekommen, setzte die Alte einen Teekessel auf und reichte Mina anschließend das heiße Getränk: „Hier. Das wird dir gut tun“
Mina nahm es dankend an und nippte ein wenig daran. Yagai setzte sich mit einer weiteren Tasse zu ihr an den Tisch und rührte gedankenverloren darin mit ihrem Löffel.
„Weißt du,“ eröffnete sie schließlich „Das Leben hat viele Facetten und viele gute und schlechte Sachen, die wir meistern und überwinden müssen. Das Schwerste jedoch ist der Verlust eines geliebten Menschen. Man wird sich immer an diesen jemand erinnern und das was er einem beigebracht hat. Dennoch ist die Trauer groß und auch der Frust, wenn man nur zusehen kann, wie das Leben aus ihnen herausgleitet. Trotzdem darf uns das nicht davon abhalten weiterzumachen und uns auf unser Leben zu konzentrieren. Man selbst mag in tiefer Trauer versunken sein, aber um einen herum lässt das Leben sich nicht aufhalten. Es geht einfach weiter und man muss für sich selbst entscheiden, ob man einfach stehen bleiben will oder sich wieder in den Fluss des Lebens eingliedert“, erklärte sie ihr.
Mina nahm alles auf und überlegte lange darüber.
„Es ist unfair, aber ich denke ich verstehe“, sagte sie schließlich.
„Niemand hat gesagt, dass das Leben fair ist“, kommentierte Yagai mit einem ansteckenden Lächeln.

Hinter den Kulissen

Mit Mina‘s Geschichte geht es weiter hinter dem 11. Türchen.

Wenn ihr in der Zwischenzeit bei den anderen vorbei schauen möchtet, dann startet neu bei Türchen 1 und entscheidet euch zwischen Sasha und Damian.

Da ich immer noch dabei bin meine eigene Trauer zu bewältigen hat sich dieses Kapitel von selbst hinzugefügt, ich hatte nicht vor es zu schreiben.

Daher denke ich, ich sollte diese Erklärung hinzufügen:
Der Teil über die Medizin spiegelt in keiner Weise meine Ansichten zu Sterbehilfe wieder und ist schlichtweg nur dazu da um diese Art der Verwendung zu erklären, die ähnlich derer ist, wie sie von heutigen Palliativ-Diensten genutzt wird, die versuchen ihren Patienten zu helfen.

Bitte seht davon ab diese Thematik hier auszudiskutieren.

Ich hoffe die Geschichte gefällt euch trotzdem bisher.

Bis Morgen,

PoiSonPaiNter

© Für Geschichte und Charaktere liegen bei mir. Verwendung oder Weitergabe nicht ohne meine Zustimmung.

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Lies auf Deutsch

Mina

A couple of weeks had passed and Yagai had taught Mina a lot about herbs and medical plants. She now knew which herbs to use for simple potions or ointments and what was even more effective against a simple cold than what she knew from home. Mina often went into the forest with the hag and after Yagai had shown her a plant Mina had to recognize them without help. Like she had promised she even participated in a few house calls. A young boy with a broken leg was treated by Yagai, just as an old woman with a bad lung disease. One time she was called to a heavily wounded man, whom Yagai could only help by relieving his pain and helping him to pass on.

It was the first death Mina experienced consciously and her tears ran nearly as heavily as the families. Yagai had calming words and touches for all of them and finally shoved Mina out of the room, for the family to say their farewell.
“Why couldn’t you help him?” Mina asked choking back tears.
“I helped him. Through the pain medicine it was easier for him to leave and he didn’t have to suffer through it”, Yagai calmly explained.
“But his family! It would have been better or them if he had continued to fight!” Mina protested.
“No. It would have been more painful. The longer the inevitable is prolonged the more painful and straining it is for everyone involved. The spirit of the man still might have been willing to fight and especially to live, but his body wasn’t. You have to understand that”, she explained.
“I don’t want to!” Mina wailed like the little child she uses to be quite some time ago and started sobbing again.
Yagai sighed. It was no use talking further to her like this. The sadness of the Woodling-girl was too heavy, even though she hadn’t even known the man.
Quietly Yagai left the room the look after the relatives. They took it way more calmly than the young Woodling. She gave them and Mina a little more time before she bit her goodbyes and returned to her hut with Mina. It was a silent on their way back, only interrupted through occasional sobs.

Back in her hut the hag put on a kettle and gave later gave the hot drink to Mina: “Here that will make you feel better”
Mina thankfully took it and sipped at it a little. Yagai sat down with another cup, stirring it with her spoon and letting her thoughts drift.
“You know”, she eventually opened, “Life has many faces and is full of good and bad things that we have to master and overcome. The most difficult, however, is the loss of a loved one. You will always remember that person and what they have taught you. But for all that the sadness will be great and so will be the frustration, especially if the only thing you can do is watch their life fade before your eyes. Still, it should not keep you from continuing and to concentrate on your own life. You might be engulfed in deepest sorrow, but the life around you can’t be stopped. It simply continues and you have to decide for yourself if you want to stand still or if you want to get back into the flow of life”, she explained to her.
Mina took everything in and thought about for a long time.
“It’s unfair, but I think I understand”, she eventually said.
“No one said that life is fair”, Yagai commented with an infectious smile.

Behind the Scenes

Mina‘s story will continue behind the 11th door.

If you want to see what the others are doing in the meantime, go back to the 1st door and choose between Damian and Sasha.

As I’m still trying to overcome my own grief, I guess this Chapter just added itself to the mix, I certainly didn’t plan on writing it.

So I feel the need to add this as a disclaimer:
The part about the medicine does not reflect my views on euthanasia, it simply is meant to explain a usage of it similar to what current day palliative services do to try to help their patience.

Please refrain from discussing this topic here.

I hope you still enjoy the story so far.

See you tomorrow,

PoiSonPaiNter

© For the story by me. Do not use or repost either without my permission.

One comment

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