Advent Calendar: Door/Türchen #18

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Mina

Mina war viele Stunden gewandert. Als es Nacht wurde, hatte sie versucht ihre Gabe einzusetzen um Gras und Wurzeln aus dem Erdreich zu holen und wachsen zu lassen, um etwas Schutz zu bekommen. Zuerst wollte es ihr nicht so recht gelingen, doch dann gaben die Pflanzen nach und liefen zu einem kleinen Zelt, das von weitem wie ein Busch aussah zusammen, unter dem sie die Nacht verbrachte.

Am Morgen senkte sie ihre Behausung wieder in den Boden und ging nach einem kurzen Frühstück weiter. Die Mittagssonne stand hoch am Himmel als sie lautes Klappern von Holz und Hufen hinter sich hörte. Mina drehte sich um und schirmte ihre Augen gegen die Sonne ab, um zu erkennen, was auf sie zukam. Kurz darauf machte eine kleine zweispännige Kutsche vor ihr halt.
„Ho!“, rief der Kutscher seinen Pferden zu.
„Was macht denn eine junge Waldlings-Dame wie du hier ganz allein auf der Straße?“, fragte er sie unverhohlen.
Noch geprägt von ihrem letzten aufeinandertreffen mit einem Fremden antwortete Mina lediglich: „Ich suche Arbeit“, was nicht gelogen war, aber auch nicht der ganze Wahrheit entsprach.
„Was kannst du denn?“, fragte der Mann neugierig.
„Ich kenne mich gut mit Kräutern und Pflanzen aus“, berichtete sie ihm.
„So jemand kommt mir gerade recht!“, freute er sich und sprang schwungvoll vom Kutschbock.
„Ich heiße Winfrid und bin fahrender Händler. Ich wollte schon lange in den Kräuter- und Tinkturen-Bereich einsteigen! Du kommst mir also wie gerufen!“, erzählte er ihr in einem Schwall aus Worten und streckte ihr die Hand entgegen.
Zögerlich erwiderte Mina die Geste mit einem knappen, aber höflichen: „Mina, freut mich dich kennen zu lernen“
„Und mich erst! Und mich erst!“, verlautete er euphorisch, ergriff ihre Hand mit beiden Händen und schüttelte sie energisch.
„Also dann, pack deine Sachen hinten in den Wagen und dann zu mir auf den Kutschbock und wir können das Geschäftliche besprechen!“, schlug er vor und ließ sie abrupt wieder los.
Er schob sie Richtung Wagenende und öffnete eine kleine Luke, entriss Mina regelrecht ihren Rucksack, sodass sie sich geradeso noch daraus winden konnte und warf ihn in den Wagen. Anschließend bugsierte er sie zum Kutschbock und half ihr hinauf. Mina blieb kaum eine andere Wahl, als sich mitreißen zu lassen.

Winfrid begann sogleich unentwegt auf sie einzureden, wie toll er doch Waldlinge fand und wie sehr er ihr Können schätzte und wie schrecklich toll es doch war, dass sie sich hier begegnet waren. Mina hörte zu, versuchte zu folgen und nickte, wann immer es ihr richtig erschien, aber viel verstehen tat sie nicht. Auf diese Weise reisten die beiden bis sie in ein kleines Dorf gelangten und Winfrid ihren Wagen am Markt abstellte. Er spannte die Pferde ab, nahm sie bei den Zügeln und gemeinsam gingen sie in ein nahegelegenes Gasthaus. Dort stellte er die Tiere unter und bestellte für sich und Mina Essen. Sobald sie saßen, fing er von neuem an zu reden, aber im Lärm des Schankraumes konnte Mina ihn gut ausblenden. Als sie fertig gegessen hatten, gingen sie nicht wie erwartet auf ein Zimmer sondern zurück zum Wagen.

„Wir haben noch viel zu tun!“, eröffnete ihr und stieg durch die Hintertür in den Innenraum der Kutsche.
Kurzerhand schob er Mina’s Rucksack mit dem Fuß Beiseite und zündete eine kleine Laterne an, die von der Decke herab hing. Zum ersten Mal sah Mina was sich im Inneren befand. Die Wände waren voll mit Fläschchen und Beuteln und obskuren Gegenständen, die Mina nicht benennen konnte. Für jemanden, der gerade erst mit dem Heilkunde-Handel beginnen wollte, hatte Winfried außerdem bereits eine erstaunliche Sammlung mit „Heilsalbe“, „Kräutersaft“ und ähnlichem beschrifteten, vollen Behältnissen. Wäre er ihr nicht schon wegen seines vielen Geredes unsympathisch, so hätte Mina spätestens jetzt Verdacht geschöpft, dass etwas mit diesem Händler nicht stimmte. Sie ließ sich nichts anmerken und versuchte ihm stattdessen zuzuhören, vielleicht hatte sie auch einfach nur ein falsches Bild von ihm.

Mittlerweile hatte er eine alte Truhe zu einem Tisch umfunktioniert und einige Kräuterbündel von der Decke abgemacht und darauf gelegt. Gerade war er dabei leere Flaschen zusammenzusuchen.
„Da musst mir helfen noch ein paar Tinkturen zu machen. Ich zeige dir gleich wie es geht, lass mich das nur kurz vorbereiten…“, erklärte Winfrid ihr und stellte eine Armladung Flaschen ab und eilte zu einem schweren Krug der in einer Ecke des Wagens fest verschnürt war.
Er löste die Verankerung des Deckels und schöpfte mit einer Kelle einige Schlucke klares Wasser daraus in eine Schüssel, die er dann auf den Tisch stellte.
„Komm her!“, forderte er sie nun auf und winkte hektisch zur anderen Seite des Tisches.
Zögerlich und neugierig setzte Mina sich.
„Diese Tinktur dient dazu, dass Haarwachstum wieder in Schwung zu bringen und deine Aufgabe ist es jetzt sie zu brauen. Also pass gut auf“, erklärte er und griff nach einem der Kräuterbündel.
Mina erkannte das Kraut sofort und wusste, dass diese Mischung nie zu seinem gewünschten Ergebnis führen konnte, aber sie sagte nichts und hörte und sah zu, wie Winfrid die Zutaten vermengte.

„Und fertig!“, rief er aus und drückte einen Korken fest in die frisch befüllte Flasche.
„Das machst du jetzt mit den anderen Flaschen! Ich muss nochmal los und etwas besorgen!“, befahl er ihr nun mit einem Lächeln und stand auf.
Mina nickte knapp und sah ihm dann nach, wie er aus dem Wagen ging und die Tür hinter sich schloss. Für einen Moment saß sie nur da und schaute auf die Zutaten vor ihr. Sie wollte nicht Teil seines Schwindels sein, aber was konnte sie tun? Ihn auffliegen lassen, bevor die Menschen etwas kauften? Aber wie? Gedankenverloren blickte sie sich im Wagen um bis sie etwas entdeckte. Mina kletterte auf die Truhe, nahm die Laterne vorsichtig aus der Halterung und stieg wieder ab. Die Laterne in der hoch erhobenen Hand, näherte sie sich den Kräutern, die sie gesehen hatte. Mit einem breiten Grinsen stand sie davor und nahm sie, auf Zehenspitzen stehend, von der Wand.

Die ganze Nacht war sie damit beschäftigt die Tinkturen so zu präparieren, dass Winfrid eine böse Überraschung erleben würde, sobald jemand seine Waren ausprobierte. Als Waldling war sie eigentlich nicht gehässig und gemein, aber wenn jemand die Kräuterkunde verhöhnte verletzte es ihren Stolz und mit einem Waldling mit verletztem Stolz war nicht zu spaßen.

Hinter den Kulissen

Mit Mina‘s Geschichte geht es weiter hinter dem 21. Türchen.

Wenn ihr in der Zwischenzeit bei den anderen vorbei schauen möchtet, dann startet neu bei Türchen 1 und entscheidet euch zwischen Sasha und Damian.

Ich hab eine Weile überlegt, ob dieses Verhalten zu Mina passt, aber ich habe mich dann doch dafür entschieden, dass es das tut. Schließlich versucht er mit ihrer Hilfe zu bescheißen und das mag niemand gern.

Wie auch immer, ich hoffe euch gefällt die Geschichte bisher.

Bis Morgen,

PoiSonPaiNter

© Für Geschichte und Charaktere liegen bei mir. Verwendung oder Weitergabe nicht ohne meine Zustimmung.

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Lies auf Deutsch

Mina had wandered for many hours. When night fell she tried to use her gift to raise grass and roots from the ground and let them grow to get some shelter. At first it didn’t work as well as she wanted but then the plants gave in one after the other and grew into a small tent that seemed like a bush from afar, where she spent her night.

In the morning lowered her shelter back into the ground and continued after a short breakfast. The midday sun was high in the sky as she heard the clatter of wood and hooves behind her. Mina turned and shielded her eyes from the sun to see what was coming towards her. Not long after a two-horse carriage stopped before her.
“Ho!” The coachman yelled towards his horses.
“What is a Woodling-Lady like you doing here all alone on the road?” He asked blatantly.
Still affected by her last meeting with a stranger Mina simply answered: “I’m looking for work”, which wasn’t a lie, but not the entire truth either.
“What can you do?” The man asked curiously.
“I’m well-schooled with herbs and plants”, she told him.
“Someone like you comes right in time!” He exclaimed joyously and jumped boldly down from the coach box.
“I’m Winfrid and I’m a travelling salesman. I wanted to get into the herb and lotion business for quite some time now! You come right on cue!” He told her in flush of words and reached out his hand.
Hesitantly Mina returned the gesture with a short, but polite: “Mina, nice to meet you”
“And me! And me!” He announced euphorically, took her hand with both of his and shook them enthusiastically.
“Well then, put your things in the back of the coach and then come to the coachbox and we can talk business!” He suggested and let go of her abruptly.
He shoved her towards the end of the coach and opened a small hatch, downright yanked Mina’s backpack from her shoulders so she could only wrest out of it in time before he threw it into the coach. Next he shoved her towards the coach box and helped her up. Mina didn’t really have a choice but let herself get carried along.

Winfrid stated right away to go on and on about how great he considered Woodlings to be and how he high he valued their abilities and how incredibly great it was that they had met. Mina listened, tried to follow and nodded whenever it seemed right to her, but she didn’t understand that much. This way the two of them travelled until they reached a small village and Winfrid parked the coach on the market. He unharnessed the horses, took the reins and together they went to a nearby inn. There he left the horses in the stables and ordered a meal for Mina and himself. As soon as they sat he started talking again, but the noise in the bar made it easier for Mina to shut him out. When they had finished eating they did not retreat to a room as she had expected but returned to the coach.

“We have a lot to do!” He revealed to her and got into the coach through the back door.
Quickly he simply shoved Mina’s backpack aside with his foot and lit a small lantern that hung down from the ceiling. For the first time Mina saw what was inside. Shelves on the wall were filled with flasks and pouches and dubious objects that Mina could not name. For someone who wanted to start dealing with medicine Winfrid already had an impressive collection of “Healing Ointment”, “Herb Juice” and similarly labelled, filled cases. If hadn’t been dislikeable to her through his talking, she at least now would have grown suspicious that something wasn’t right with this merchant. She didn’t let on about it and tried listening instead; maybe she just had a wrong picture of him.

By now had turned an old chest into a table and had put a few herb bundles he had taken from the ceiling onto it. Right now he was collecting empty flasks.
“You have to help me to make a few more potions. I’ll show you how it’s done, just let me finish preparing first…”, Winfrid explained and put an armload of flasks down and hurried towards a heavy jug that was tied tightly in a corner of the coach.
He unfastened the bolts of the lid, scooped some water into a bowl with a dipper and put in onto the table.
“Come here!” He ordered and waved hectically towards the other side of the table.
Hesitantly but curious Mina sat down.
“This potion helps to pep up hair growth again and your task will be to brew it. So pay good attention”, he explained and took one of the herb bundles.
Mina recognized the herb right away and knew that this mixture would never do the trick, but she said nothing and simply listened and watched how Winfrid mixed the ingredients.

“And done!” He exclaimed and pushed a cork deep into the freshly filled flask.
“Now you’ll do just that with the other flasks! I’ll have to leave again to acquire something!” He now ordered with a smile and stood up.
Mina nodded shortly and watched him get out of the coach and close the door behind him. For a moment she simply sat there and stared at the ingredients before her. She did not want to be part of his con, but what could she do? Blow his cover before people would buy something? But how? Lost in thought she let her gaze wander through the coach until she noticed something. Mina climbed the chest, carefully took down the lantern from its holding and got back down. The lantern held high above her she got closer to the herbs she had seen. With a wide grins she stood before them and took them, standing on her toes, from the wall.

She spent the whole night preparing the potions so that Winfrid would be quite surprised as soon as someone tried his goods. As Woodling Mina usually wasn’t spiteful and mean, but if someone mocked herbology it hurt her pride and one should not mess with a Woodling whose pride was hurt.

Behind the Scenes

Mina‘s story will continue behind the 21st door.

If you want to see what the others are doing in the meantime, go back to the 1st door and choose between Damian and Sasha.

I wondered for a while if this behavior fit for Mina, but then I decided that it did. He tried to get her help to pull a fast one on people after all and no one likes that.

Anyway, I hope you like the story so far.

See you tomorrow,

PoiSonPaiNter

© For the story by me. Do not use or repost either without my permission.

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